Rückblick 2018

Ich sitze hier, im Zimmer von meinem Freund, aufgehübscht und ein bisschen melancholisch. Etwas, von dem ich so lange gehofft habe, es mal zu sagen. Es ist immer noch komisch, dass ich es jetzt tatsächlich tun kann. 

Aber fangen wir von vorne an. Vor genau 365 Tagen stand ich zu diesem Zeitpunkt in Landshut vor meinem Spiegel und konnte vor Nervosität kaum still halten. Ich hatte mich in mein mittlerweile fast zu klein gewordenes Abschlussballkleid geworfen, mir die Haare hochgesteckt und seit Langem mal wieder ein richtiges Make-Up in mein Gesicht gezaubert. Ich wusste natürlich eigentlich, dass ich an diesem Abend enttäuscht werden würde, aber einen Charakterzug, den ich wohl niemals verstecken werde können, ist meine grenzenlos naive Hoffnung auf ein Wunder. 

Surprise, surprise, ich bekam kein Wunder in dieser Nacht. Um Punkt 12, als das Feuerwerk gestartet hatte, fing ich an zu Weinen. Ich verbrachte den Rest des Abends auf der Toilette meiner Freundin und habe mir die Augen ausgeheult. Ich wusste, dass ich Eltern und Freunde habe, die mir geholfen hätten, aber ich wollte das. Ich wollte es wirklich. Weinen und wie in einem absolut übertriebenen Teenie-Film mit verlaufener Wimperntusche überstürzt die Party verlassen. 

Warum all das? Das ist eine Geschichte, die mit vielen Faktoren und einem besonderen Menschen zusammenhängt, der seit diesem Abend Gott sei Dank gar nicht mehr so besonders ist. Und genau da kommt der Clue an der Sache. Ich wollte weinen und traurig sein, weil ich Schluss machen musste. Mit all dem Ballast, den ich mit mir herumgeschleppt habe und mit all den unerfüllten Hoffnungen und mit der Jasmin, die ich gar nicht mehr sein sollte. Natürlich ist dieser Prozess nicht komplett innerhalb dieser Nacht passiert, sondern es hat eine Weile gedauert, bis ich richtig loslassen konnte. Aber jetzt habe ich das, zumindest zu 99 Prozent (man weiß ja nie, wann man mal etwas zurückholen muss. ;D ) 

Loslassen.

Vielleicht war das im Nachhinein gesehen mein Motto für dieses Jahr. Loslassen und frei sein. 

Dieses Jahr hat für mich mit einer der schönsten Erfahrungen überhaupt begonnen, mit meiner Abi-Fahrt nach Wien. Seit der dritten Klasse war das das erste Mal, dass ich auf einer Reise mit der Schule Spaß hatte. Und vor allem: keine Angst. Seit bei mir vor einigen Jahren eine Angststörung diagnostiziert wurde, auf die eine Therapie und viele, viele Überwindungen folgte, sind für mich solche kleinen Schritte riesige Erfolge. Auch, wenn ich nur drei Tage von zuhause fort war, so hatte ich doch das Gefühl, während der ganzen Zeit vollkommen high vor Glück zu sein, da ich das Ganze so richtig genießen konnte. Das lag nicht nur an der Stadt und meinem Mut, der mich in den letzten Jahren weit gebracht hat, sondern auch an vielen neuen Freunden und einer tollen Klasse, die ich 2018 gewonnen habe.

Nach dieser Fahrt folgte dann erst einmal eine sehr anstrengende Phase, mein zweites Abitur stand an, weil Madam ja unbedingt auf die Uni wollte und sich nicht mit dem Fachabi zufrieden geben konnte. Natürlich habe ich auch dieses Jahr gebüffelt wie eine Verrückte, was meinen Körper und meinen Geist rückblickend wirklich geschwächt hat. Trotzdem haben mir die Menschen in meinem Umfeld durch ihre stetige Unterstützung und teilweise gezwungene Ablenkung sehr dabei geholfen, mein Ziel und das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Vielen Dank vor allem an Pascal, meinen Klassenkameraden und mittlerweile auch besten Freund. Ohne die spontanen Kinoabende (auch unter der Woche) wäre ich vielleicht verrückt geworden.

Fakt ist, dass nach den Monaten harter Arbeit auch endlich eine Belohnung wartete. Ich habe nicht nur einen tollen Abischnitt erreicht, sondern auch, wider aller meiner Erwartungen, ein Stipendium bekommen. Im Zuge dessen habe ich auch zum ersten Mal verstanden, dass ich mich auf mich selbst verlassen und auch ohne krankhaftes Lernen etwas erreichen kann. Die Stipendiumsprüfung war nämlich der erste Test meines Lebens, auf den ich mich überhaupt nicht vorbereitet habe.

Im Anschluss daran konnte ich nun tatsächlich richtig loslassen. Dass die Schule nun vorbei war, hat dazu sicher einen großen Teil beigetragen. Wie ihr hier auf dem Blog sicher mitbekommen habt, habe ich meinen Sommer nicht mit all den Dingen verbracht, die ich mir schon ewig vornehme. Demnach wurde es still um mich. Still, weil ich mir zum ersten Mal erlaubt habe, sorglos zu sein. Jeden Tag auszuschlafen, ständig ins Kino und essen zu gehen und vor allem, viele dumme Dinge auszuprobieren. 

In meiner Sehnsucht nach Nähe und Akzeptanz habe ich dieses Jahr viele Erfahrungen gesammelt, die im Nachhinein vielleicht verzweifelt und unverständlich wirken, aber sie haben mir gezeigt, wer ich bin und wie ich sein möchte. Vor allem, was eine Beziehung betrifft. Ich habe viele meiner Prinzipien und moralischen Grundsätze gelockert und manche auch über Bord geworfen, habe aber immer die Reißleine gezogen, wenn mein Bauchgefühl mir dazu geraten hat. Ausprobieren, loslassen und nach Gefühl handeln war für mich wichtig, um zumindest teilweise erwachsen zu werden und zu reifen. Trotzdem habe ich dabei bemerkt, wie wichtig mir meine Weltanschauung und Werte sind, weshalb ich besondere Dinge für besondere Menschen aufgehoben und mich in Geduld geübt habe. Auch durch intensive Diskussionen und Auseinandersetzungen habe ich meine Mitmenschen neu kennengelernt, meine Meinungen infrage gestellt und herausgefunden, dass es okay ist, nicht immer all das zu tun und zu denken, was Erwachsene mir vorgeben.

Letztendlich habe ich dieses Jahr auch endlich das bekommen, worauf ich lange gewartet habe. Liebe, so wie ich sie mir immer gewünscht habe. Ich habe mich oft gefragt, ob es nicht zu kitschig und ob es überhaupt richtig ist, das so öffentlich zu erwähnen. Aber warum sollte ich das nicht tun? Meine Beziehung hat mich schon jetzt nachhaltig verändert und war ein großer Teil meines Jahres, der mich sehr glücklich gemacht hat. Das kann und will ich einfach nicht leugnen. Dieses Jahr habe ich erfahren, wie es ist, wenn „Träume wahr werden“ und egal wie dumm das klingen mag, ich entschuldige mich nicht dafür, dass ich es so empfinde. Ich habe immer gehofft, irgendwann mit jemandem zusammen zu sein, bei dem ich das Gefühl habe, das Warten hätte sich gelohnt. Und jetzt kann ich nur sagen: Das hat es auf alle Fälle. Ich weiß nicht, wie die Zukunft aussieht, was dieses Thema betrifft, aber ich werde mein Bestes geben, unabhängig davon wie groß das Risiko ist, dabei verletzt zu werden. Denn ich habe viel zu geben und ich habe mich lange genug vorbereitet.

Im Oktober hat schlussendlich mein „neuer Lebensabschnitt“ begonnen. Ich bin meinen bisher größten Schritt ins Erwachsenenleben und vor allem im Hinblick auf meine Angst gegangen. Ich habe mein Studium in Passau begonnen und lebe nun von Montag bis Donnerstag im Studentenwohnheim. Ich hatte das große Glück, gleich am ersten Tag die perfekte Freundin und Mitbewohnerin zu treffen. Lucia, du hast keine Ahnung wie dankbar ich für dich bin! Die erste Woche war turbulent und aufregend, aber auch wunderschön. Ohne dich an meiner Seite, hätte ich sie nicht so gut überstanden. Dass es jetzt schon aufs Ende des ersten Semesters zugeht, kann ich kaum glauben. Die Zeit vergeht so unglaublich schnell. Studieren ist ganz anders als Schule und weil ich ja losgelassen habe, wird es nun seine Zeit dauern, bis ich mich an mein neues Leben, das sich nun an zwei Heimatorten und zum Teil auch bei meinem Freund abspielt, gewöhnt habe. 

Die Weihnachtszeit war geprägt von Ups und Downs, es scheint mir, als würde mein Kopf jetzt erst anfangen zu realisieren, was eigentlich passiert ist. Ich bin glücklich über alles, wie es läuft. Aber ich mache mir natürlich auch Sorgen, wie meine ersten Klausuren laufen werden, ob ich in meiner Beziehung alles richtig mache und wohin die Reise geht. Vor allem habe ich auch gemerkt, wie einsam ich mich machmal fühle, wenn ich meine Familie nicht im Haus habe. Aber ich gebe mir Zeit, so viel wie ich brauche. Denn ich habe vollkommen losgelassen und ich kann nicht erwarten, dass sich mein neuer Weg ganz von allein und in Windeseile pflastert. Ab jetzt habe ich so viel selbst in der Hand und das ist eine Menge, die ich erst einmal organisieren und auf die ich mich einlassen muss. 

Ich freue mich heute Abend auf den ersten Neujahrskuss meines Lebens und auf ein wundervolles 2019. Ich bin so unglaublich dankbar für die Menschen, die bei mir waren und mich unterstützt haben. Ich spreche hier von meiner Familie, von Felix (der wenn wir uns auch selten sehen, ein beständiger Anker und sicherer Hafen ist, an den ich so gerne zurück kehre) und auch von Pascal, Meddy, Julia, Louise, Lucia und natürlich Christoph. Ohne euch wäre es nicht gegangen!

Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr!