Drehbuchautor

Wir schreiben unsere eigene Geschichte. Davon bin ich fest überzeugt. Wir haben den Stift in der Hand und entscheiden, was wir aufschreiben, was wir weglassen, was wir erst im Nachhinein kürzen oder hinzufügen. Wir schreiben unser eigenes Drehbuch.

Ich plane gerne im Vornherein, bereite Ereignisse vor und ja… hin und wieder arbeite ich auch an meinem Drehbuch für die Zukunft. Was ich dabei nicht bemerkt habe,… dass ich mit meiner Geschichte für eben diese Zukunft schon ziemlich weit gekommen bin, ich aber vor lauter Schreiben keine Zeit hatte, mich darauf vorzubereiten.

Und jetzt ist sie da, die Zukunft. Das neue Drehbuch wurde mir wortlos in die Hand gedrückt und ich konnte nur dabei zusehen, wie das Set umgebaut und die Rollen neu verteilt wurden. Ich schaue zu und versuche, in Windeseile Text zu lernen, Reaktionen zu üben und mich mit meiner neuen Figur vertraut zu machen, aber… das ist gar nicht so leicht. In meinem Kopf sah das alles ganz anders aus.

Das neue Drehbuch ist toll. Die Storyline gefällt mir, die Charaktere sind einzigartig, interessant und bereichern das Leben der Hauptrolle ungemein. Die Drehlocations sind wunderschön und die Handlung wirklich wahnsinnig interessant, dabei bleibt ein bisschen Spannung natürlich auch nicht außen vor. Es ist so, wie ich es mir immer ausgemalt habe, vielleicht sogar besser und jedes Detail stimmt.

Was stimmt mit mir nicht? Warum ist es, als wäre dieses Drehbuch nicht von mir und ich würde eine Fremde spielen? Wieso fällt es mir so schwer, zu lachen und mich an die Regieanweisungen zu halten, die ich selbst angeordnet habe? Weshalb will ich mich manchmal einfach nur unter der Decke verkriechen und warten, bis die unangenehme Eingewöhnungsphase vorbei ist?

Manchmal werden wir mit Umständen konfrontiert, die wir zwar selbst ausgesucht haben, die aber trotzdem ein bisschen zu groß erscheinen. Wir müssen da erst reinwachsen und können nicht von heute auf morgen die Rolle spielen, die uns zugewiesen wurde. Wir brauchen mehr Übung, viele Takes und in der Anfangsphase auch noch eine Menge nachträglicher Schnittarbeit, um diesen Film echt wirken zu lassen. 

Aber: the sun will rise and we will try again.

Wichtig ist es, nicht loszulassen und wegzulaufen. Jeden Tag wieder aufzustehen und ans Set zu kommen. Text üben. Auch Mimik, Gestik und vor allem: Emotion.

Einatmen, Ausatmen, Lächeln aufsetzen und weitermachen. Ich kriege das schon hin, gehe meinen Weg weiter und kämpfe. Mit den vielen Seiten, an denen ich mich auch manchmal schneide und den neuen Szenen, die mich hin und wieder beunruhigen und sich ungewohnt anfühlen. Geduld haben und warten. Einfach abwarten.

Wir schreiben unsere eigene Geschichte. Es ist hilfreich, sich schon vorher Gedanken um die Fortsetzung, den nächsten Teil zu machen. Träumen, fantasieren, aufschreiben. Und wenn es soweit ist: nicht vergessen, dass der Film in der Produktion, nicht auf dem Papier entsteht. Wir können weiterhin wegstreichen, hinzufügen und manchmal auch Pause machen. Luft holen und sich umschauen. Sich auf das neue Drehbuch einlassen.