Siehst du mich?

Sei glücklich mit dem, was du hast. Das predigt einem die Welt, jeden Tag. Wir alle sollen dankbarer sein, zufriedener sein, schätzen, was uns gegeben wurde. Das ist gar nicht so falsch, das ist eigentlich richtig. Nicht zu 100%.

Denn wir dürfen nach mehr streben, mehr erwarten, mehr fordern. Weil wir es verdienen geschätzt zu werden, respektiert zu werden, gesehen zu werden.

Kein Mensch braucht das teuerste Handy, wenn er eines hat, das schon funktioniert. Man sollte sich nicht über den tropfenden Wasserhahn beklagen, wenn man doch so privilegiert ist, fließend Wasser zu haben. Das ist gar nicht so falsch, das ist eigentlich richtig. Nicht zu 100%.

Denn wir dürfen nach mehr streben, mehr erwarten, mehr fordern. Weil wir es verdienen geschätzt zu werden, respektiert zu werden, gesehen zu werden.

Nein, man sollte sich nicht durch Konsum definieren, ganz und gar nicht. Aber Konsum von Gegenständen ist nicht Konsum von Gefühlen, von Miteinander, von Liebe. Und doch wird es allzuoft verwechselt. Ein Riegel vorgeschoben.

Denn wir dürfen nach mehr Magie streben, mehr Aufmerksamkeit erwarten, mehr Interesse fordern. Weil wir es verdienen für unserer Selbst geschätzt zu werden, für unsere Talente respektiert zu werden, für all die Facetten, die wir haben, gesehen zu werden.

Und ich habe viel zu lange akzeptiert, interpretiert, beschönigt. Auf dich gewartet, für dich geatmet, in deinem Schatten gestanden. Und erst als jemand neues kam, mich gesehen, sich für mich entschieden hat, da habe ich erkannt, wie wichtig es ist, andere zu sehen und gesehen zu werden.

Denn erst wenn jemand kommt, der dich sieht, von außen, von innen und alles, was dazwischen liegt. Jemand, der sich Zeit nimmt, dich zu sehen, dich zu begreifen, dich zu schätzen. Dann weißt du, dass wir nach mehr streben, mehr erwarten, mehr fordern dürfen.

Weil wir es verdienen geschätzt zu werden, respektiert zu werden, gesehen zu werden.