Mutig sein.

Ich könnte dir schreiben. Jetzt in diesem Moment. Ein Fingertippen, ein Wort, eine Nachricht. Mehr würde es nicht brauchen und ich würde bekommen, was ich wollte. Vielleicht.

Ein Gespräch, den Mund voll ungesagter Dinge und im Kopf noch so viel mehr.
Wo fange ich da an?
Du würdest mich nicht anhören, oder?
Warum auch?
Ich könnte es versuchen.

Diese Sache richtig stellen.
Erklärung.
Warum sollte es dich überhaupt interessieren?
Rechtfertigung.
Du schuldest mir etwas.
Furcht.

Was wäre wenn… wenn ich mutig wäre?

Ich könnte dich bitten. Jetzt in diesem Moment. Ein Schritt vor die Tür, ein Satz, eine Antwort.
Mehr würde es nicht brauchen und ich würde bekommen, was ich wollte. Vielleicht.

Eine Umarmung, das Herz voll unbändigem Leben und im Atem noch so viel mehr.
Wo höre ich da auf?
Du würdest es beenden, oder?
Warum auch nicht?
Ich könnte es versuchen.

Endlich eine Entschuldigung verlangen.
Erinnerung.
Mehr Gründe erfragen.
Reue.
Hatte es überhaupt Bedeutung für dich?
Schmerz.

Was wäre wenn… wenn ich mutig wäre?

Gefühle sind seit jeher etwas für ganz Mutige. Gehöre ich dazu? Ich sitze auf der Bordsteinkante, die Koffer gepackt und warte. Auf das Abenteuer, das Chaos, das große Gefühl.

Ich warte und warte und warte und stehe nicht auf, weil mir die Kraft fehlt. Angst und Misstrauen, Skepsis und Vernunft liegen schwer auf meinen Schultern, zwingen mich zu bleiben. Und zu warten. Auf den Tag, der niemals kommt. Auf diesen Moment, der schon lange vorübergezogen ist. Auf dich, der doch selbst noch auf der Bordsteinkante sitzt und wartet. Wartest du auf mich?

Was wäre wenn… wenn wir mutig wären? Aufstehen und loslaufen. Uns in der Mitte treffen und vielleicht…

Ich bin nicht mutig, ich wünschte du wärst es. Aber kann ich denn von dir verlangen, wenn ich selbst nicht geben kann? Wir sitzen weiter, sind nicht mutig und warten mit gepackten Koffern. Weil doch keiner sagt, auf wen er wartet.