Einer aus 80 Millionen

Kennt ihr diesen Song noch? Ja, genau den, den man sowohl hasst, aber auch irgendwie ganz cool findet, weil er einen so seltsam sentimental macht. Zumindest geht’s mir da so. Und jetzt habe ich einen Ohrwurm… tolle Idee, einen Text so zu nennen.

Auch, wenn ich den Song total grauenvoll finde… er sagt schon die Wahrheit oder nicht? Ich meine, klar, auf Deutsch und deutsche Lieder mochte ich noch nie so wirklich, aber es stimmt. Es ist die Wahrheit… es ist ein Wunder den Einen unter 80 Millionen zu finden und nachdem ich Wahrscheinlichkeitsrechnung für’s Abi zur Genüge gelernt habe, da ist es noch viel unglaublicher. 

Sollten wir es also besser aufgeben? Aufgeben zu suchen… nein, zu finden? Denn Liebe darf man ja nicht suchen, man muss sie finden. Und überhaupt muss Liebe so Vieles gleichzeitig sein… und dann auch wieder ganz einfach und ganz von selber und… da kennt sich ja keiner mehr aus. Ich zumindest nicht. Ich weiß nur, dass 80 Millionen eine Menge Menschen sind und ich trotzdem das Gefühl habe, einfach nicht kompatibel zu sein. Wie dieses eine Ladekabel in der hintersten Ecke der Schublade, bei dem man nie weiß, was damit eigentlich aufgeladen werden kann. 

Das ist keine Verzweiflung… vielleicht doch. Vielleicht ein bisschen Verzweiflung. Aber heutzutage sind doch alle Singles verzweifelt. Verzweifelt sein, ist ein Trend, so wie Tinder und Der Bachelor, was im Grunde aber auch wieder Verzweiflung ist. Vergebene sind auch verzweifelt. Weil es für alles Tipps und Goals und Regeln gibt. Und weil man erst mal beweisen muss, dass man überhaupt in einer Beziehung ist. Snapchat-Story hier, Instagram Foto da und der Beziehungsstatus auf Facebook? Der ist so 2014! Dann doch lieber Datum auf WhatsApp. 

Ich will nicht verzweifelt sein. Weder allein, noch mit jemandem zusammen. Ich will keinen Kampf, keine Konkurrenz, keinen Krieg… keine Spielchen.

Wir liken und teilen und texten und sexten und wir machen Hoffnungen, zerstören sie wieder und beginnen von Neuem. Restart, noch so viele Leben, next level… Stop, was ist eigentlich das Ziel? 

Neue Gegner, Teamplayer im Single-Player-Modus suchen Abenteuer, nicht für eine Nacht. Für eine Woche oder auch drei Monate. Für Herz-Emojis und Gute-Nacht Nachrichten. Für Breakfast Dates und Pinterest Pyjama Parties. Für „He’s The View“ und „Relationship Goals“, für Netflix and Chill und eine Hand in meinen Calvins.

Blaue Haken, keine Reaktion. Alles ist lit, aber wir sind on edge und unsere Herzen schlagen im Takt der Dubstep Mukke, die den Raum erfüllt. Feucht fröhlich sind wir Feministen, wissen aber gar nicht was das heißt. Wollen independent sein, doch die Drinks nich selbst bezahlen. Übergroße Teddybären ersetzen einen Liebesbrief.

Und, was Liebe heißt, das ist nicht wichtig, weil’s dafür ja Social Media gibt.

Es scheint als wär’ es ganz egal, ob es Der Eine aus 80 Millionen oder einfach nur Einer aus 80 Millionen ist. Hauptsache wir können so tun als ob, eine Beziehung präsentieren und Gefühle inszenieren. Vielleicht fühlen wir auch wirklich was… ein bisschen Kribbeln in der Magengrube. Aber sie zulassen? Sie zugeben, zeigen, zelebrieren? 

Was, wenn wir dann anders sind? Anders als die restlichen 80 Millionen? 

Lieber nicht! Könnte ja sein, dass wir dann jemandem auffallen. 

Auffallen, dem Einen aus 80 Millionen.

 


Dieser Text ist schon vor einer ganzen Weile entstanden, bisher hatte ich allerdings keine Zeit Fotos dafür zu schießen. Letztendlich habe ich diese Zeit bisher immer noch nicht gefunden, deshalb gibt es jetzt ein paar total spontane Schnappschüsse aus München. Ehrlich gesagt, finde ich das aber eigentlich nicht schlimm, denn die Bilder sind authentisch und genau darum geht es ja in diesem Text oder nicht? Dass wir anfangen sollten uns nicht ständig um unseren Status und unseren Online-Auftritt zu kümmern, sondern stattdessen mal wieder authentische, echte Gefühle zeigen. Obwohl das gar nicht so leicht ist…